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27.06.2019

iStock/Marina Lohrbach

Von: Claudia Benetti

Mit Arzneipflanzen gut durch die Schwangerschaft

Viele Phytotherapeutika sind für die werdende Mutter und das Ungeborene sicher

WÄDENSWIL – Viele Beschwerden, die in der Schwangerschaft auftreten, können effektiv und sicher mit Phytotherapie gelindert werden. Dr. Beatrix Falch, Apothekerin und Vizepräsidentin der Schweizerischen Medizinischen Gesellschaft für Phytotherapie (SMGP) stellte an einem Kurs der Fachgesellschaft einige geeignete Arzneipflanzen vor.


Nur wenige Studien haben die Sicherheit von Fertigpräparaten in der Schwangerschaft untersucht. In den Beipackzetteln wird Schwangerschaft deshalb sicherheitshalber oft als Kontraindikation aufgeführt. «Tatsächlich sind aber viele pflanzliche Mittel sicher», betonte Dr. Falch. Aufgrund von pharmakologischen Hinweisen, Monografien, Fallberichten und anderen Quellen hat sie Arzneipflanzen auf ihre Sicherheit in der Schwangerschaft bewertet und eine Positivliste1 erstellt. Auf sie stützen sich denn auch ihre nachfolgenden Empfehlungen.

Vor dem Aufstehen eine Tasse Kräutertee zu trinken, hilft meist schon, um die Morgenübelkeit zu verbessern, unter der viele Frauen gerade zu Beginn der Schwangerschaft leiden. Geeignet ist eine Mischung aus Pflanzen mit krampflösenden, beruhigenden Eigenschaften, wie zum Beispiel Fenchelfrüchte, Brombeerblätter, Melisse, Kamillenblüten und Pfefferminze. «Pfefferminztee sollte allerdings möglichst nur mit anderen Kräutern gemischt oder als Monodroge nicht länger als eine Woche getrunken werden, da er sonst rasch Reflux verursachen kann», erläuterte die Phytotherapie-Fachfrau.

Gegen Ende des zweiten Trimenons, wenn der Bauch immer grösser wird und die Verdauungsorgane nach oben drückt, leiden Schwangere allerdings – auch ohne zu viel Pfefferminztee getrunken zu haben – oft an Sodbrennen. «Dann schafft Kartoffelsaft oder ein Tee mit Anisfrüchten, Fenchelfrüchten, Kamillenblüten und Eibischblättern/-wurzel meist Abhilfe», sagte Dr. Falch.

Kräuter wirken auch einem sinkenden Eisenspiegel entgegen. So fördern etwa Petersilie, Löwenzahn und Brennnessel die Eisenaufnahme. Diese Kräuter werden am besten als Grünsaft, Tee oder Salat verzehrt. Auf dem Markt gibt es zudem einige auch für Schwangere geeignete eisenhaltige pflanzliche Fertigpräparate (z.B. Floradix®, Anaemodoron®, Biodoron®).

Kräuter gegen Schlafstörungen

Gut geeignet ist Phytotherapie in der Schwangerschaft auch, um Schlafstörungen zu behandeln. «Die Probleme entstehen manchmal nur schon, weil die Frauen wegen des Bauches nicht mehr ihre gewohnte Liegeposition einnehmen können oder weil sich der Fötus beginnt zu bewegen», so die Referentin. Ein Tee mit Melisse, Passionsblume oder Baldrianwurzel beruhigt und fördert den Schlaf. Etwas vorsichtig sein, heisst es allerdings mit dem Baldrian. Er sollte sicherheitshalber nur kurzfristig eingenommen werden, und die Präparate sollten keine Valeptriate enthalten. Denn diese sind möglicherweise teratogen.

Bei Schlafproblemen wirksam ist auch eine Aromatherapie. Je nach Zusatzsymptomen, die die Schlafprobleme begleiten, eignen sich unterschiedliche ätherische Öle: Lavendelöl beispielsweise bei zusätzlicher Depression und Anspannung, Neroliöl bei zusätzlicher Depression und Angst sowie Petitgrainöl, wenn Unruhe, Nervosität und Angst vorhanden sind. 

Cremen, salben, ölen heisst das Rezept, wenn die Bauchdecke juckt und dieser Pruritus nicht auf ein Fettstoffwechsel-Problem zurückzuführen ist. Den Juckreiz stillen können insbesondere Hamamelis- und Rosenwasser, Nachtkerzen- und Zitronenöl und auch Ringelblumen. Sie werden in der Regel mit einer Magistralrezeptur in der Apotheke einfach mit einer Trägersubstanz für eine Patientin zusammengemischt.

Viele Frauen leiden im Verlauf der Schwangerschaft, bedingt durch den hohen Progesteronspiegel, an Hämorrhoiden und Krampfadern. «Gegen die Beschwerden hilft insbesondere Hamamelisrinde (in Cremes, Zäpfchen, Sprays oder Tinkturen) oder eine Rosskastanien-Creme», so Dr. Falch.

Geburt hinauszögern oder Wehen anregen

Bei vorzeitigen Wehen ist das Brutblatt geeignet, die Geburt noch etwas hinauszuzögern. Die Fertigpräparate können intravenös oder oral (Tabletten, Tropfen) verabreicht werden. Hilfreich ist auch ein beruhigender Tee mit Baldrianwurzel, Hopfenzapfen, Johanniskraut, Melissenblättern und Lavendelblüten. Die Mischung kann bei Bedarf mit krampflösender Schneeballrinde, gebärmutterstärkendem Löwenzahnkraut und östrogenausgleichenden Johannisbeerblättern ergänzt werden.

«Sollen Wehen angeregt werden, empfiehlt sich ein Tee mit 20 g Beifusskraut, 10 g Himbeerblättern, 10 g Eisen- und 10 g Mutterkraut», führte Dr. Falch weiter aus. Wehenfördernde Effekte haben zudem Sitzbäder mit Frauenmantelkraut sowie Bauchmassagen mit Rosengeranien- oder Zypressenöl.

 

 

Heublumen und Öle für den Damm
Ab etwa der 34. Schwangerschaftswoche profitiert der Damm von einer Spezialpflege. Sitzbäder und Dammmassagen mit Rosen-, Kamillen- und Lavendelöl oder auch wöchentliche Heublumen-Dampfsitzbäder (eine Handvoll Heublumen mit 1L Wasser kochen) bereiten ihn für die Geburt vor und machen ihn geschmeidig.


1. Falch Beatrix: «Herba pro Matre», Datenbank zur Anwendung von Arzneipflanzen in Schwangerschaft und Stillzeit. www.phytocura.ch/phytocura/Aktuelle_
Projekte.html


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