Fokus Medizin
03.06.2019

iStock/Django

Von: MW

Wenn Senioren auf grosse Fahrt gehen

Etwa ein Drittel aller Fernreisenden ist älter als 60 Jahre – Tendenz steigend. Umso mehr zählt eine intensive Beratung. Beispielsweise bedenken die wenigsten Reisenden, dass Influenza-Viren in den Tropen ganzjährig auf Tour sind.

Schon ab dem 50. Lebensjahr geht es mit der T-Zell-Immunität bergab, erklärte Dr. Andreas Leischker von der Geriatrie am Krankenhaus Maria-Hilf in Krefeld. Damit steigt die Anfälligkeit für Infektionen. Ältere Touristen haben daher ein deutlich erhöhtes Risiko für Bronchitiden, Pneumonien oder Harnwegsinfekte – aber auch für besonders gravierende Verläufe von Malaria oder Rickettsiosen.

Gerade bei Trips in wärmere Gefilde denken viele Ferienreisende nicht an die Influenza, die in den Tropen und Subtropen ganzjährig auftritt. Besonders hoch ist die Ansteckungsgefahr immer dann, wenn viele Menschen auf engem Raum zusammentreffen, also auf Kreuzfahrtschiffen oder bei Gruppenreisen. Schon das dicht gedrängte Stehen beim Check-in kann ein Risiko darstellen. Um sicher vor infektiösen Tröpfchen zu sein, müsste man einen Abstand von etwa zwei Metern zu hustenden Mitmenschen einhalten, so der Kollege.

 

Herzinfarkte bevorzugen die ersten beiden Reisetage

 

Die Influenza-Impfung sollten Sie daher allen Ausflüglern dringend ans Herz legen. Dies gilt insbesondere für Patienten mit KHK, da das Infarktrisiko in den ersten 30 Tagen nach einer Grippe deutlich erhöht ist. Mit der Impfung sinkt die Gefahr und wer sich jedes Jahr immunisieren lässt, hat nach fünf Jahren zudem ein reduziertes Schlaganfallrisiko. Ansonsten treten Herzinfarkte gerne an den ersten beiden Reisetagen und während diesbezüglicher Autofahrten auf, was vermutlich mit dem erhöhten Stress zusammenhängt.

Da Impfungen bei alten Menschen nicht mehr so gut wirken, empfiehlt sich eigentlich ein Serum mit Adjuvanzien, das zurzeit aber leider nicht als tetravalente Vakzine zur Verfügung steht. Eine Alternative wäre ein höher dosierter Grippe-Impfstoff speziell für Senioren, wie er bereits in den USA eingesetzt wird.

Ein weiteres Problem können multiresistente Darmkeime sein, die aus den Tropen mitgebracht werden. Während jüngere Menschen diese Keime spätestens ein bis sechs Monate nach Rückkehr wieder los sind, bleiben sie bei Älteren viel länger nachweisbar und gelangen vermehrt in die Blutbahn.

Ihnen droht auch schneller Gefahr durch Flüssigkeitsverlust bei Durchfallerkrankungen. Für Reisen in entsprechende Länder kann daher eine orale Cholera-Impfung, die nebenbei einen gewissen Schutz vor Feriendiarrhöen bietet, erwogen werden.

 

In fernen Ländern warten resistente Pneumokokken

 

Das Risiko für eine Pneumokokkeninfektion ist im Alter ebenfalls grösser. Dabei gilt es zu bedenken, dass die Erreger in vielen fernen Ländern deutlich häufiger Penicillin- und Makrolidresistenzen aufweisen. Eine Reiseberatung bei über 65-Jährigen sollte daher immer Anlass bieten, über die Impfung zu sprechen.

 

 

20. Forum Reisen und Gesundheit


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