Fokus Medizin
23.04.2019

iStock/ZamoraA

Von: ER

Für das Ego gut, für das Herz nicht

Der Legende nach brach der erste Marathonläufer der Geschichte am Ziel tot zusammen. Das ist heute zum Glück die Ausnahme, aber die Strecke geht schon an die (Herz-)Substanz.

Marathonläufe erfreuen sich zunehmender Beliebtheit auch bei Hobbysportlern, die meinen, ihrer Gesundheit damit etwas Gutes tun. In dieser Hinsicht könnte die Betätigung aber eher kontraproduktiv sein, meint das Team um Dr. Beatriz Lara vom Exercise Physiology Laboratory der Universität Madrid. Die Wissenschaftler haben bei jeweils 21 trainierten Freizeitläufern über drei verschiedene Langstrecken (Marathon, Halbmarathon, 10 km) nach einem Lauf Blut abgenommen und darin Biomarker für kardialen Stress bestimmt. Dazu zählten hoch sensitives Troponin I und Troponin T, NT-proBNP, herz- und skelettmuskelspezifische CK sowie Myoglobin. Dann verglichen sie die Werte von Sportlern, die verschiedene Entfernungen zurückgelegt hatten.

 

Troponin-Konzentration korreliert mit Strecke

 

Mit steigender Distanz nahm die Konzentration beider Troponine zu und die Werte lagen nach dem Marathon deutlich höher als nach dem Halbmarathon. Die sonstigen Kardio-Marker kletterten nur nach den 42,2 km relevant, nicht aber nach der halben Strecke. Alle Sportler gaben eine ähnlich lange Lauferfahrung an und ihr Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen war vergleichbar gering (ca. 3 % über zehn Jahre). Allerdings absolvierten die mit grösserer Laufdistanz erwartungsgemäss auch mehr wöchentliche Trainingskilometer.

Demnach belastet also ein Marathonlauf das Herz ganz erheblich, meinen die Forscher, und zwar wesentlich stärker als die Halbmarathon- und die 10-km-Strecke. Zwar beweisen die gemessenen Blutwerte nicht unbedingt eine Gefahr für die Herzfunktion und inwieweit die Ergebnisse klinisch von Bedeutung sind, müssten weitere Studien prüfen – möglicherweise bringe aber bei solchen «Hochdosisläufen» weniger (an Kilometern) tatsächlich mehr (für die Herzgesundheit).

 

 

Lara B et al. Circulation 2019; 138: 709–711.


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